Dienstag, 26. Juli 2016

hab ich nie gelernt mich selbst zu lieben?

Dienstag, 19. Juli 2016

Liebster Award

Danke, Novelist :)
http://people-will-always-change.blogspot.de/
Die (geliebten/unbekannten) Regeln:
1. Danke der Person, die dich für den Liebster-Award nominiert hat und verlinke den Blog in deinem Artikel
2. Beantworte die elf Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, gestellt hat
3. Nominiere fünf bis elf weitere Blogger für den Liebster-Award
4. Stelle eine neue Liste mit elf Fragen für deine nominierten Blogger zusammen
5. Schreibe diese Regeln unter deinen Beitrag zum Liebster-Award
6. Gib deinen Gewinnern bescheid




1. Welche Serien/Filme sollte ich mir unbedingt anschauen und warum?
     Die Klassiker Psycho und Frühstück bei Tiffany sind absolut immer sehenswert (Vorallem in Originalfassung). Ein Thriller in Farbe ist einfach kein richtiger Thriller. 

2. Wie hast du deine Passion zum schreiben gefunden?

     Durchs Lesen.

3. In welchem Moment warst du sehr stolz auf dich, weil du etwas erreicht hast, was dir sehr viel bedeutet?

     Das ABI vielleicht...

4. Ist abtreiben in Ordnung oder nicht?

     Das ist sehr Situationsbahängig. Würde ich jetzt von meiner Beziehung schwanger werden, würde ich es nicht abtreiben.

5. Übst du ein ehrenamtliches Amt aus? Welches? Warum?/ Warum nicht?

     Ist ein FSJ noch ehrenamtilch?

6. Was willst du deinen eventuell später mal lebenden Kinder unbedingt mitgeben?

     Wie es war, als man noch freiwillig draußen gespielt hat und bei Regen im Wohnzimmer vor der hart erkämpften, klapprigen uralt Konsole saß. Wie man Nachts im Bett lag und dem rauschenden Geschichten aus dem Kasettenrekorder lauschte und morgens vor allen anderen wach war, weil man so gerne den Wechsel zwischen arte und KIKA mitbekommen wollte, aber immer zu früh, oder zu spät dran war.

7. Wann war das letzte Mal, dass du etwas zum ersten Mal gemacht hast? Was war das?

     Gestern war es das erste Mal schön ich selbst zu sein.
    
8. Glaubst du? (An Gott/ eine höhere Macht/ etwas anderes)

    Ja, aber wer kann da schon sicher sein?

9. Was hast du heute gemacht?

    Aufgewacht, in neuem Bett und altem Arm. Gefrühstückt und gelacht. Gesucht, gefangen, gesuchtet. gogogo

10. Stell dein Handy (ein anderes Gerät von dem deine Musik abgespielt werden kann) auf shuffle und schreibe die ersten drei Lieder auf.

      Fever - Black Keys
     Another Love - Tom Odell
     Spirits - The Strumbellas    

11. Was waren deine letzten Wort, die du gesagt hast?

      Moment.

Montag, 27. Juni 2016

Du bist immer da



Du bist da und löst meine geballten Fäuste. drückst sanft meinen Handrücken auf den Tisch und streichst die Finger glatt auf die Tischplatte. Du lachst, fragst, was denn los ist und ob ich eine rauchen will und wenn ich ja sage, bietest du mir doch keine deiner selbstgedrehten Kippen an. Du hältst meine Hand und lieferst dich freiwillig als Opfer meiner grundlosen Aggression aus. Du machst so lange Witze, bis ich nicht mehr weiß, wieso ich auf irgendetwas einschlagen wollte. Küsst meine Stirn und trägst mich auf die Récamiere, räumst den Tisch ab, während ich dasitze und ins Leere starre. Nimmst mich noch etwas in den Arm, wartest ab und wenn ich wieder sprechen kann gehst du nach draußen um zu rauchen und ich kann denken.

Sonntag, 26. Juni 2016

Niemals ankommen



Ich lehne mit der Schläfe gegen die Scheibe, merke schnell, dass es eine schlechte Idee ist und schaue stattdessen in meinen Schoss. Eine Nachricht erscheint auf dem Bildschirm meines, dort ruhenden, Handys und erhellt das Display. Ich versuche die Nachricht nicht zu lesen und drehe das Gerät herum. Einen Blick aus dem Fenster werfend bete ich, dass dieser verdammte Bus doch endlich schneller fahren soll, damit ich aussteigen, atmen kann. Mir ist schlecht von der ruckeligen Fahrt, mein Magen ist ganz flau. Eine Übelkeit, die mich häufig in Bussen und Autos mit eingeschalteter Klimaanlage überfällt, aber trotzdem nicht wirklich in der Fahrweise ihre Ursache findet. Insgeheim weiß ich, woher das Flaue Gefühl eigentlich kommt, nämlich irgendwo aus dem tiefsten Inneren meines Körpers, wo wahrscheinlich mein inneres Kind  liegt und langsam verkümmert. Bereits eine Haltestelle vor meiner schwebt meine Hand vor dem Halteknopf. Schon halb auf den Füßen starre ich durch die Glastür hinaus, als ob der Bus so schneller im Verkehr vorankommen würde. Als ich denke, ich könne es jetzt nicht mehr aushalten, falle ich schon nach draußen, in gellende Hitze und brennende Sonne.
Unangenehmer als die Übelkeit ist nur stehen bleiben, also laufe ich weiter in Richtung Heimat. An natürlich zirkulierender Luft verfliegt meine Reisekrankheit von selbst,  jetzt kann ich auch in Ruhe auf mein Handy schauen, die Nachricht lesen und entscheiden, dass ich sowieso nicht antworte. Jedenfalls nicht in der nächsten Stunde, damit er sieht, dass etwas los ist. Direkt, als ich das Handy wegstecke, wird die restliche Übelkeit von einer Mischung aus Wut und Trauer verdrängt. Die Hitze wird unerträglich und der fünfminütige Weg stundenlang. Am liebsten würde ich hier direkt auf dem Boden zusammenbrechen und nie wieder weiter gehen. Irgendwo will ich sterben, aber eigentlich fehlt mir auch dazu die Kraft. Fallen und auffangen lassen, aber wie, wenn da niemand zum Fangen ist?

Donnerstag, 23. Juni 2016

Pflaster

Frühjahr 2015 bis im verregneten Sommer 2016

Du sagst mir so oft, dass du mich lieb hast, bis ich es nicht mehr sagen muss. Du küsst mich und trägst mich herum, kümmerst dich um mich. Du deckst mich so oft zu und nimmst mich zum Einschlafen in den Arm, dass ich fast vergesse wie weh mein Herz tut und wir bröckelig alles zwischen uns ist.
Du legst deinen Arm um mich, obwohl Menschen da sind, die du nicht kennst.
Du nimmst mich in einer langen Mittagspause mit zu dir und sagst es sogar Y.. Als wir zurückfahren regnet es und du meinst, dass du mich auch früher rauslassen kannst. Ich werde trotzig und bleibe sitzen, als wir aussteigen verabschiedest du dich sofort, obwohl wir genau den gleichen weg laufen. Ich laufe mit einigen Metern Abstand hinter dir her, fühle mich währenddessen wie Abschaum. Ist doch klar, dass du mit so einem hässlichen Entlein nicht gesehen werden willst.
Ich erspare mir die Peinlichkeit, dir eine Nachricht über meine verletzten Gefühle zu schreiben und finde mich mit der Situation ab, dass du für immer mein geheimer Freund bleibst.
Fast lasse ich den Abschlussball sausen, weil ich keine Lust habe dort von dir ignoriert zu werden und mich  vor meiner Oma und deiner Mutter dafür zu schämen, dass ich dir nicht gut genug für die Öffentlichkeit bin. Dann gehe ich doch hin und wie du mir versprochen hast kommst du gleich her und begrüßt mich, du küsst mich sogar. Reden willst du nicht so gerne mit mir und Fotos willst du auch nicht wirklich, aber man kann ja nicht alles haben.

Nach 13 Jahren sind wir endlich frei und genau ab dem 03. Juli wird wirklich alles gut.

Mittwoch, 22. Juni 2016

"Du brauchst doch keinen Psychologen, du bist stark und noch so jung, du kannst das allein. Unsere Familie ist stark." - Papa, 2013

Montag, 20. Juni 2016

Wieso ist alles grau und schwarz?

Du fragst ob du mich nicht trösten kannst, das klappt sonst doch immer. Ich kann nicht getröstet werden. Ich will nicht das du mich anfasst, alles was rund ist an mir und viel zu fett. Ich fühle gar nichts, bin ausgesaugt, ausgelaugt, gefühllos. Ich will schlafen und weinen, aber nichts von beidem klappt. Ich starre auf den Bildschirm und versuche zu erklären, warum ich traurig bin, aber es gibt keinen Grund. Minutenlang schaue ich ins Leere, bis mein Pflichtbewusstsein sagt, dass ich arbeiten muss. Ich bin nur Traurigkeit. Sie füllt mich aus, flutet erst mein Herz dann mein Gehirn. Alles sieht schwarz aus. Vielleicht will ich dich doch sehen, aber dann komm her, ich hab keine Kraft nach draußen zu gehen.
Gestern war alles gut und heute ist alles grau. Ich kann mich nicht konzentrieren, alles ist vernebelt. Wenn ich mich nicht traurig fühle, fühle ich mich hässlich und zu viel. Ich will meine Haare abschneiden und nie wieder essen, bis ich hübsch bin, dann darfst du mich wieder anfassen.
Ich will schlafen.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Wochenendliebe

Sommer 2014 bis Frühjahr 2015

Es ist Sommer und heiß und das erste Mal seit Ewigkeiten, kann ich fast normal essen. Wir reden viel mehr und lachen, du ziehst mich auf. Irgendwann gehen wir zusammen mit meinen Freunden in die Stadt. Ich bin betrunken und plötzlich sind wir zusammen.
Wir sind beide schüchtern und alles ist neu. Du drückst meine Hand, als wir zum ersten mal einkaufen gehen und schmeisst mich kusslos aus dem Auto. 
Wir sehen uns oft, denn es ist August und wir haben keine Schule. Du küsst mich, alles ist neu.
In der Schule reden wir manchmal. Ich berühre deinen Arm, aber merke schnell, dass du dass nicht willst. ich frage dich, wann du Y. erzählst, dass wir zusammen sind und du sagst bald. Irgendwann redest du nicht mehr mit mir, dann siehst du mich nicht mehr an. Ich schreib dir was los ist und du meinst nichts, du hattest einen schlechten Tag. Dein schlechter Tag dauert ein Jahr.
Samstags fahre ich zu dir, wenn du fragst und bleibe bis Sonntagnachmittag. Am Anfang jedes Wochenende, dann alle zwei Wochen und manchmal auch nur alle drei Wochen.
Meistens essen wir etwas am Sonntagmorgen und dannach, willst du kurz an den PC. Meistens bedeutet kurz 1- 2 Stunden, immer öfter ist kurz bis ich am Nachmittag gehe.
Wenn ich bei dir bin esse ich nicht viel. Meistens nur das Croissant, dass deine Mutter mir beim Bäcker mitbestellt, aber das ist nicht so schlimm, ich brauche nichts zu essen.
Ich bin meistens ziemlich traurig.
Unter der Woche unternehmen wir nie was, in der Schule sehen wir uns jeden Tag, aber du behandelst mich wie Luft, am Wochenende sehen wir uns nur wenn du fragst.
Manchmal schreibe ich dir ob du mich noch magst und du sagst ja. Manchmal heule ich in deinem Bett, dann kommst du her und tröstest mich ein bisschen, bevor du dich wieder an den Schreibtisch setzt. Immer wieder versprichst du, dass es besser wird in der Schule.
Ich mache tausendmal Schluss mit dir, sag dir dass du mich verletzt, dass darauf keine Lust habe, aber jedes Mal versprichst du und ich liege wieder in deinem Bett.
Irgendwann kapierst du und die Zeit die ich bei dir verbringe sind wir auch wirklich zusammen und das beinahe jedes Wochenende. An Silvester küsst du mich vor deinen Freunden, nimmst freiwillig meine Hand und ich darf auf deinen Schoß.
In der Schule bleibt alles gleich, aber jetzt spiele ich mit. ich versuche gar nicht mehr mit dir zu reden, sondern ignoriere dich ebenfalls. Alls du irgendwann auf die Idee kommst mit mir zusprechen denke ich entweder, dass du nicht mich meinst, oder gebe so knappe Antworten, dass du kapierst, dass ich keine Lust auf dich habe. Wir sind verschiedene Menschen am Wochenende und währrend der Woche. Von Samstagnachmittag bis Sonntagnachmittag sind wir irgendwie verliebt, von Montag bis Freitag tauschen wir nichteinmal Textnachrichten aus.
Hin und wieder, bricht mein harter Kern und ich frage dich, ob du mich in der Schule nicht doch mal in den Arm nehmen, oder mit mir sprechen kannst. Du versprichst, dass du es morgen machst. Du machst es nicht und wir machen weiter wie zuvor.
Wir gehen nie zusammen irgendwohin. Wenn ich dich frage ob du mit willst, hast du immer eine Ausrede parat, bis ich nicht mehr frage.
 Ist schon okay, ich bin gerne allein. Ich war schon immer allein und wer braucht schon einen Mann.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Zum Glück bist du jetzt anders


2014, 2015 und 2016

Wenn du mich an dich drückst, versuche ich nicht daran zu denken, wie es sich an fühlt, wenn wir uns auf dem Flur begegnen, zwischen all den Menschen und ich Luft für dich bin. Wenn du über mich hinwegsiehst und alle meine Worte ignorierst, obwohl du am Wochenende noch geflüstert hast, dass du mich liebst. Mir die Haare aus dem Gesicht gestrichen hast, wir haut an haut im schwachen Nachtlicht, dass durch das Fenster in der Dachschräge fällt.
Ich will nicht daran denke, wie du mit allen um mich herum sprichst, nur mich dabei vergisst, als wäre ich der unerwünschte Sidekick meiner viel konversationsinteressanteren Freundin.
Du machst mir Frühstück, aber ich kann nur fühlen, wie du mich stundenlang vor dem Fernseher absetzt, wie das Kind, dass keiner will. Manchmal merkst du sogar wenn ich weine und du kommst her, bis ich mich wieder beruhigt habe, manchmal sogar eine ganze viertel Stunde. 
Und wenn du sagst, dass mein dunkler Teint so schön ist, höre ich nur wie du spöttisch meine braune Hand betrachtest, die Hautfarbe, die ich so hässlich an mir finde, und sagst, dass gebräunte Haut schneller altert.

Früher hast du was du an mir magst verpackt in Spott und mich ganz durcheinander gebracht.
Ich weiß, dass du das gemacht hast, weil du nicht zugeben wolltest, dass du mich magst. Dass du nicht nur Sex willst, sondern auch Dinge, die Vielleicht nicht ganz so männlich erscheinen...
"Es würde mir nichts ausmachen, wenn deine Haare kürzer wären. Kannst sie gerne kürzer schneiden." 
    "Ich mag deine Haare, die sind schön"
"Trag das nicht so, dass sieht komisch aus."
     "Ich war zu schüchtern dir zu sagen wie gut du aussahst"

Wenn du mir sagst ich soll nicht so anhänglich sein - wir sehen uns alle ca. zwei Wochen für eine Nacht und schreiben ungefähr an einem Tag in der Woche einen Satz. 
Und du schiebst mich weg, nach dem Sex, weil dir die Nähe zu viel wirst.
Du ekelst dich vor meinem Körper, meiner Haut an deiner und meiner Stimme, die mehr will als sieben Minuten im Himmel.
Ich ekle mich vor mir selbst, vor meinem widerlichen Wunsch wenigstens in der Öffentlichkeit mit dir reden zu dürfen und die 24 h, in denen ich in der Woche mit dir sprechen kann, mehr als 5 h Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn du mir schon sagst, dass du mich liebst.
Aber was kann ich schon verlangen, wenigstens gibt es einen auf der Welt, der mich manchmal berührt und manchmal liebt.

Freitag, 10. Juni 2016

Kunst

Draußen brennt die Sonne, aber in der Galerie ist die Temperatur herunter gekühlt um die Bilder zu schützen. Wir müssen keinen Eintritt zahlen, weil wir jünger geschätzt werden als wir sind. Ich bin aufgeregt und glücklich. Frage ihn noch mal, ob es ihm wirklich nichts ausmacht mit mir hier zu sein und er strahlt und sagt nein. Ich nehme seine Hand und ziehe ihn die Treppe hinauf. Neben dem Personal sind wir ganz allein. Brav zeigen wir unsere Tickets, lassen uns mustern. Ich bin stolz darauf, dass wir jung und hier sind. Wir flüstern, trauen uns nicht lauter zu reden, obwohl wir kaum jemanden stören würden. Er macht keine Witze über meine Begeisterung, während ich nicht aufhören kann zu erzählen was ich weiß und sieht so ernsthaft interessiert aus, wenn er die Bilder betrachtet, dass ich ihn nur noch mehr lieben kann. Er sagt was er schön findet und wir lachen über Abstaktionen und völlig einfarbige Leinwände, rätseln über die Bedeutung der Kunstwerke und über die Intention des Künstlers. Abwechselnd lesen wir uns gegenseitig von den Informationstafeln vor.
Irgendwann stehen wir wieder draußen, neben Baustellen und vielbefahrener Straße. Ich drücke seine Hand, küsse seinen Oberarm, an mehr von ihm komme ich nicht heran, und kann nicht in Worte fassen was ich für ihn fühle. Ich muss nichts sagen, denn er weiß schon was ich denke.

Montag, 6. Juni 2016

Lagerfeuer

Es ist Nacht, kalt und dunkel. Der Regen, der gegen das Fenster in der Dachschräge hämmert hält dich wach und ich bin wach, weil ich nicht schlafen will. Wir sind vergraben unter zwei Decken, meine Haare sind noch nass. Weil ich weiß, dass du nicht schlafen kann, suche ich mit Fingern nach deiner Haut. Du bist ganz warm. Meine Finger tasten nach mehr und ich finde deinen Arm und du meine Hand. Wir bauen uns eine Höhle aus den Decken, machen dein Feuerzeug an und schauen in die Flamme, bis die Luft zu knapp wird. Wir flüstern, obwohl wir alleine sind und niemand uns hören kann. Dann regnet es nicht mehr.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Rot und Blau

Ich lehne mich gegen eine deiner harten Kanten, du hast so viele. Ich stoße an, ich will dich spüren und wie spürt man besser als wenn es schmerzt?
Wenn du auf mir liegst, dann pack zu. Halt dich fest, an meinen Armen, meiner Schulter und meiner Kehle und vor allem pack mein Herz. Lass Spuren da. Ich will sehen, dass wir da waren, das wir zusammen waren und eins. Ich will sehen, wo du mich berührt hast, die blauen Stellen, die deine Hände hinterlassen.
Wenn du mich küsst, dann beiss mir in die Lippe, bis es blutet und alles salzig schmeckt und metallisch und nach mir, damit ich weiß, dass ich hier bin.
Drück meinen Kopf in die Kissen, bis ich keine Luft mehr bekomme und fühle, dass ich lebe, denn wer lebt muss atmen. Raub mir den Atem. Lieb mich. Lieb mich bis ich mich auch liebe.

Mittwoch, 13. April 2016

Traumdeutung

Alles fühlt sich unwirklich an, ich bin gefangen in einem Nebel, der sich nicht auflösen will. Dauernd dieser Tunnelblick. Noch vor wenigen monaten war alles so klar, als wären meine Sinne geschärft wurden, durch den Ausnahmezustand,d er in meinem Körper herrschte. Jetzt ist wieder alles verschleiert. Ich nehme die Außenwelt nicht mehr so deutlich wahr wie ich will, ich komme nicht mehr aus meinem Kopf raus. Ich denke darüber nach ob das medizinische Ursachen hat, finde aber in meinem Hirn keine Worte um die entsprechende Frage zu googlen.
Ich muss mich so sehr konzentrieren um meine Umgebung zu spüren um Berührung zu spüren um alles geordnet wahr zunehmen und nichts direkt wieder zu vergessen. Ich bin gefangen in einem Traum, in dem ich unendlich laufe und doch nie ans Ziel komme. Würde mir jemand sagen mein gnazes Leben wäre ein Traum, eine ausgeburt meiner Vorstellungskraft, würde ich es glauben, so unwirklich fühlt sich alles an.

Freitag, 11. März 2016

Er hält meine Fingerspitzen vorsichtig in seiner Hand. Ich bin unendlich müde und zickig. Ich kann nur an mich selbst denken, an niemanden sonst, ich kann nicht lieben. Sanft drückt er meine Stirn gegen seine Brust und streicht mir über die Haare. nicht mehr allein.

Freitag, 19. Februar 2016

Lass mich in Ruhe

Wieso wird mein Spiegelbild immer fetter, wenn die Waage weniger zeigt?

Montag, 15. Februar 2016

17,0

2011

Den ganzen Tag wandern wir über die Messe, sehen uns Stände zu Berufen und Schulen an. Ich bin fasziniert von Privatschulen und Dualenstudiengängen. Wir stecken Kulis, Blöcke und Broschüren ein, ich träume davon alleine zu wohnen, zu studieren.
Irgendwann tun mir die Füße weh, mein Magen verkrampft sich vor Hunger. Das Gefühl breitet sich wohlig in meinem Körper aus.
Irgendwann komme ich nach Hause, im Bus habe ich mir vorgestellt was meine Mutter wohl gekocht hat und wie es schmeckt. Beinahe bin ich eingeschlafen. Als ich die Türe aufschließe und in die Küche gehe zerplatzen meine Träume, denn meine Mutter schläft. Heute bin ich nicht enttäuscht, ich kann mich in Ruhe wiegen.
Die Waage steht in meinem Zimmer neben dem Schreibtisch. Mein Magen knurrt, als ich die Füße auf das kühle Glas stelle. Überraschung. So wenig. Ein ganzes Kilo unter meinem Zielgewicht. Glück, dann Angst. Mehr will ich wirklich nicht abnehmen. Ich gehe in die Küche und schneide mir eine Mango zu recht. Platziere mich neben meiner Mama und versuche das Glücksgefühl nicht der Angst überwiegen zu lassen. Ich will schließlich nicht krank werden.

Montag, 8. Februar 2016

Alena

Es ist warm und sonnig, als ich auf die Automatische Tür der städtischen Bücherei zu laufe. Aus den Augenwinkeln erkenne ich ein Mädchen, ich drehe mich kurz um, sehe ihre dünnen Ärmchen, dunkle Haare, das Gefühl sie zu kennen. Denke nicht weiter darüber nach. Ich stöbere zwischen den Regalen und Büchern. Feine Härchen auf meiner Haut stellen sich in der kühlen Luft der Klimaanlage auf. Ich fühle mich sicher und geborgen. Das hier ist mein Zufluchtsort. Es gibt so viele Ecken und Winkel in der Bücherei, abgeschirmte Ecken und alles ist so wunderbar ruhig.
Ich mache einen Abstecher in die Psychologieabteilung. Die Bücher zum Thema Essstörung stehen im dritten Regalfach von unten. Eine kleine Auswahl und ich habe schon alle Ratgeber gelesen. Da wieder das Mädchen. Ich kann sie durch meine Regalreihe sehen, sie steht direkt gegenüber. Schmerzhaft wird mir bewusst, dass sie sich Diätrezepte und Ernährungratgeber ansieht. Irgendwie erkenne ich mich in ihr wieder und gleichzeitig: Alena? Ich bohre ihr meinen Blick in den Rücken. Kann das sein? Eigentlich sollte sie jetzt nicht mehr so dünn sein, sie ist doch erst entlassen worden? Schließlich entscheide ich mich dagegen sie anzusprechen, weil ich mir nicht wirklich sicher bin ob sie das tatsächlich ist.
Ich gehe wieder nach draußen, wo das warme Wetter drückend und schwül geworden ist.

Später erfahre ich, dass Alena schon vor drei Wochen gestorben ist.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Arbeitstage

Ich bin unendlich müde. Ständig drucke ich Plakate und Flyer mit falschen Telefonnummern und Rechtschreibfehlern. Ich kann mich nicht konzentrieren. Manchmal habe ich Hunger, dann sehe ich mir Bilder von Essen an, schreibe Rezepte heraus, lese Essenspläne und schreibe Einkaufslisten. Acht Stunden sind so lang. Ich habe nichts zu tun, sehe mir Filme an, langweile mich zu Tode. Ich bekomme Aufgaben und schaffe es nicht eine von ihnen Korrekturlos fertigzustellen. Ständig passieren Dinge, für die ich verantwortlich gemacht werde. Ich bin kraftlos.
Ich kann mich nicht dazu überwinden etwas zu trinken. Es scheint mir viel zu anstrengend die 8 Schritte zum Wasserkocher zu laufen. Mein Hals brennt. Tausende Male überprüfe ich die Wölbung meines Bauches, bin zufrieden. Essen zu vergessen ist so leicht.


Er schlägt vor, dass ich bei ihm übernachte und ich bekomme Angst. Das passt so nicht in meinen Plan. Wenn ich heute vor der Probe nur so viel esse, dass sich mein Bauch nicht wölbt, dann muss ich dannach noch etwas essen, aber um 21:00 Uhr essen normale Menschen doch nicht? Und wenn ich nach der Probe nichts gegessen habe, dann muss ich etwas frühstücken, sonst kann ich am nächsten Tag erst um 17:30 wieder etwas zu mir nehmen.
Ich überlege, wie ich heimlich eine Kleinigkeit mitnehmen kann, ohne dass er es sieht und mich für verfressen hält. Gleichzeitig stelle ich mir vor, wie schön ich aussehe ohne Nahrung in meinem Bauch.

Dienstag, 2. Februar 2016

Liebling

Es regnet ein kleines bisschen, die Temperaturen sind herunter gekühlt, aber glücklicherweise windet es nicht. Er steht da und raucht. Der Rauch vermischt sich mit dem Dunst seines warmen Atems in der Kälte. Ich ahme automatisch nach wie er der Rauch auspustet. Seine Haut ist so blass, dass sie ein wenig im Dunkeln leuchtet,er runzelt leicht die Stirn und blickt nach oben, dem Rauch hinterher. Er sieht so gut aus. Das Gefühl in meiner Brust ballt sich zusammen und fühlt sich an als müsste es jeder Zeit aus mir raus brechen, meinen Brustkorb sprengen. Er ist so groß, dass ich mit viel Mühe gerade seine Schulter erreiche, obwohl ich selbst nicht sehr klein bin.
Die Ärmel seiner schwarzen Jacke hat er nach oben geschoben, jetzt liegen seine Unterarme frei. Feine, blaue Adern zeichnen sich unter der Haut ab und treten hervor. Seine Arme sehen fast schon athletisch aus, obwohl er schon seit Jahren keinen Sport mehr macht. Ich weiß es besser - unter seiner Jacke und seinem T-Shirt ist er ganz schmal. Rippen die hervortreten, ohne das er sich dafür hinlegen muss. Knochen, über die ich fahre, wenn ich ihm über den Rücken streiche. Hüftknochen an denen ich mich besser festhalten kann als an meinen eigenen.

Freitag, 29. Januar 2016

Zu Hause sein

Ich bin 6 Jahre alt und meine Mama holt mich von der Schule ab. Im Kinderwagen mein kleiner Bruder. Ich springe neben ihr her, eine Hand am Wagen, erzähle ihr von der Schule, lache.

Ich bin 9, ich will den Bus nach Hause nehmen, aber mein Geld liegt gut verwahrt auf meinem Tisch im Klassenzimmer. Ich laufe nach Hause, verlaufe mich, weine, frage einen Fremden, komme nach Hause.

Ich bin 13, als ich nach Hause komme ist nur mein Bruder da, meine Mutter gerade weg. Ich schalte den Computer an, esse obwohl ich schon in der Schule gegessen habe. Esse und schaue auf den Bildschirm, bis meine Mutter am Abend zurück kommt.

Ich bin 14, schaffe es in mein Zimmer und wiege mich, wiege mich nochmal und dann nochmal. Ich lerne, räume auf und mache Abendessen für meine Geschwister.

Ich bin 15. Mama kocht als ich nach Hause komme. ich stehe neben ihr und stopfe mich mit Brot voll, während sie das Mittagessen macht - esse bis es fertig ist und dannach noch weiter.

Ich bin 18, komme nach Hause, dusche. Dusche so lange bis mein gebrochenes Herz sich nicht mehr ganz so kaputt an fühlt. Versuche mir meinen Ekel vor mir selbst vom Körper zu waschen, heule unter dem heißen Wasser, grauer Schleier über meinen Augen.

Ich bin 19. Ich komme nicht mehr nach Hause.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Ich bin ein Kind

Ich umarme meine Mutter, spüre ihre kantigen Schultern durch den weichen Stoff ihrer Jacke. über die Jahre ist sie kleiner geworden, obwohl ich nicht gewachsen bin, trotzdem geht mein Kinn ihr gerade bis zur Schulter. Meine Brille beschlägt durch meinen Atem, als sie mein Gesicht an ihre Schulter drückt. "Alles Gute zum Geburtstag!.", sage ich, ich schaffe es meine Stimme fröhlich und freundlich klingen zu lassen, ich bin stolz auf mich. Sie umarmt mich noch fester, dann: "Ich wünsche mir das du wieder dicker wirst.". Buchstäblich. Ich antworte nicht, sehe nur die leichte Spiegelung unserer Körper in der Glastüre hinter uns. Vor meinem inneren Auge ein Bild von mir - Sommer, kurzer Rock unter dem unförmige, pralle Beine hervor schauen, rundes, aufgedunsenes Gesicht. Bitte nicht.

Dienstag, 26. Januar 2016

Bargespräche

25. Januar 2014

Die Luft ist rauchig, überall das Geräusch von Billardstöcken die auf Kugeln treffen. Wir sitzen nahe bei der Tür, weil sie nicht direkt im Rauch sitzen möchte. In vier Stunden wird sie 18. Wir lachen und trinken und niemand fragt mich nach meinem Ausweis - ich bin die jüngste hier.
Sie hat eine blaue Plastikbox dabei, darin aufwendig verzierte Cup Cakes, die sie selbst gemacht hat. Jeder der Gäste nimmt sich einen, sie erst als man sie darauf anspricht. Wie gewöhnlich warte ich darauf, dass alle Anfangen zu essen bevor ich den Cup Cake aus seiner silbernen Form löse. Alle essen genüsslich, bis auf sie. Ich starre ihren Muffin an, bemerke ihren unauffälligen Blick - wie sie darauf wartet, dass ich anfange. 
Das ist mein Ritual!
Warte Ewigkeiten, biss ich schließlich trotzig etwas Frosting ab schlecke. Heute habe ich noch kaum etwas gegessen, wie sonst auch, wenn ich etwas vorhabe und ich verdiene dieses Teil. Mehr als ab schlecken traue ich mich nicht.Schließlich: "Komm!", ich zwinge mich zu einem Lächeln und sie ist. In Zeitlupe verschwindet mein Kuchen in meinem Mund, weil ich auf keinen Fall vor ihr fertig werden will - sie tut das selbe.
Ich bin so erbärmlich.

Ich sitze da, mit fettem Alkohol, während sie nur stilles Wasser trinkt.
Esse nur ein Stück widerliche Pizza, obwohl ich hungrig bin.

Vergeblich versuche ich ein hübsches Gesicht zu machen und aufrecht zu sitzen. Noch vor wenigen Wochen war ich krank und dünn, an meinem Tiefstgewicht 2013, jetzt wieder fett, aufgedunsen. Ich bin so ekelhaft, mein Gesicht ist ein dicker Kreis.
Sie ist schön.
Ihre Haare sind lang und frisch gefärbt, sie riecht gut, ihre Bluse ist neu, sie ist dünn.
Ich habe Angst.

Montag, 25. Januar 2016

Heimat

Wir stehen draußen im Schnee. Es ist eiskalt, meine Sneaker ungeeignet, meine Zehen schmerzen so sehr, dass ich die Schuhe kaum anlassen kann. Seit über einer Stunde warten wir, meine Zähne klappern wie verrückt, wenigstens sind die Leute hier nett.
"Was machst du so für Sport?"; fragt einer und ich lache: "Gar keinen!".
"Wirklich? Wie geht das dann?", er macht eine demonstrierende Handbewegung in Richtung meiner schlotternden Beine. Ich weiß genau was er meint, trotzdem frage ich: "Was?".
Hier bin ich die dünnste unter 11 anderen Mädchen. Ich weiß das. Im Gegensatz zu meinem zu Hause sind hier alle relativ Normalgewichtig, in meiner gesamten Gruppe sind nur etwa 3 andere eher schlank.
Wir machen Fotos und auch auf diesen sehe ich, dass ich schlank bin, im Spiegel jedoch nicht.

Ich bin nicht mehr gewohnt dreimal am Tag zu essen, bei jeder Mahlzeit quillt mein Bauch auf und ich muss ihn unter einem übergroßen Schal verdecken. Endloses warten darauf, dass ich mich zu Hause in einem Ganzkörperspiegel betrachten kann, obwohl es mir hier eigentlich gefällt. Trotzdem fällt mir Essen hier leichter, weil es so wenige gibt, die weniger essen als ich. Ich fülle meinen Teller am Buffet und bin dannach tatsächlich satt. Ich nehme mir Nachtisch und nach Überwindung sogar noch einen Nachschlag.
Am Freitag komme ich nach Hause, am Samstag wiege ich nur 400 Gramm mehr als bei meiner Abfahrt. Halleluljah - Ich hatte mit 3 Kilo gerechnet.







Ich bin nicht ganz so verzweifelt wie sonst, wenn ich zunehme, weil ich weiß, dass das nur vorübergehend ist.

Sonntag, 24. Januar 2016

Verändert

Alleinsein.
Einsam.

Donnerstag, 21. Januar 2016

einsam nur wenn ich nicht alleine bin

Er ruft mich bei der Arbeit an. Ich sehe seine Nummer auf dem Display des telefons, melde mich aber trotzdem mit Namen und der üblichen Floskel. Eigentlich will ich gar nicht ran gehen. Er redet und ich bekomme kaum ein Wort heraus, ich spreche sehr leise. Nach sieben Minuten wird meine Stimme brüchig, ein Kloss in meinem Hals, mir steigen Tränen in die Augen, als er nach meinem Gruppentermin fragt. Nach acht Minuten verabschiedet er sich. Er ist sehr lieb, aber ich kann nichts anderes sagen als ja.

Dienstag, 19. Januar 2016

Unterwasser

Meine Beine liegen über seinen im Wasser. Es ist warm und klar, grün durch den Badezusatz. Meine Körper stark vergrößert Unterwasser. Ich halte seine Hand ganz fest. Bleib da. Seine Haut ist ganz blass, sein Gesicht ganz sanft und jung.
Ich habe zu viel getrunken, weil ich fühlen will. Ich fühle. Ich lache und verschlucke mich, an Wasser an Alkohol. Ich bin glücklich, weil ich nicht alleine bin, weil er da ist, weil er mich kennt. Ich schäme mich nicht so sehr für meinen Körper wie sonst, weil er ihn schon tausende Male gesehen hat. Berührt hat, ohne sich zu ekeln, sondern sanft. Weil er mich liebt.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Verloren zwischen Hochhäusern

Ich sitze mit überschlagenen Beinen aufrecht auf dem Sofa im Büro meiner Psychologin.  Gruppentherapiestunde. Mein Dufflecoat liegt auf meinem Schoss und verdeckt meinen Bauch, von dem ich vermute, dass er sich unter dem Bund meiner High-waisted-Jeans hervorwölbt. Ich höre aufmerksam meiner Nebensitzerin zu , die von ihren letzten Wochen berichtet. Die Dritte im Bunde ist noch nicht da. Ich weiß nicht genau wo ich hin sehen soll, also schaue ich abwechselnd zu der erzählenden, meiner Psychologin und auf den Spalt im Rollladen, der ein wenig ein Blick durch das Fenster des Nebenzimmers gibt.
Meine Gedanken kreisen um meine Zeit nach der letzten Stunde. Ich kann Ereignisse zeitlich nicht mehr genau einordnen und vergesse den Großteil des erlebten. Als ich an der Reihe bin zu erzählen, schaffe ich es dennoch ein bisschen zu erzählen, kann aber nicht alles einbringen. Ich bin stolz darauf wie ruhig meine Stimme klingt, obwohl ich ungern von mir selbst spreche. "Was kannst du noch an deinem Essverhalten verbessern?", fragt sie und ich schlage das Mittagessen im Büro vor. Wir diskutieren eine Weile darüber, wieso ich es weder in der Schule noch jetzt schaffe zu essen. Ich weiß keine Antwort, sage schließlich, dass es wahrscheinlich daran liegt, dass Mittagessen nur für mich eine überflüssige Belohnung sei und dass es mir unangenehm sei, wenn mich jemand beim Essen sieht. Wir sprechen über das Mittagessen allgemein und die Tür wird nach kurzem Klopfen geöffnet. Die letzte unserer Gruppe stürzt schwer atmend herrein und unterbricht mich Mitten im Satz. Ich darf noch kurz zu ende sprechen, dann wird ihr die Aufmerksamkeit gewidmet.

Irgendwann werden wir gefragt zu wie viel Prozent wir später ohne unsere Essstörung leben wollen. Ich bin die letzte die Antworten darf und verhasple mich dauernd. "Ich glaube ich möchte sie noch behalten.", bringe ich schließlich heraus.
Dann noch als Antwort auf eine weitere Frage: "Weil ich irgendwie keinen Charakter habe."

Mittwoch, 13. Januar 2016

Freundschaft rostet

Januar 2012

Ich heule, weil ich nicht weg von hier will. Ich will nicht in die Schule.
Es ist 7:30, ich sitze in meinem neuen Zimmer, zwischen drei Bananenkartons. Es ist ungewohnt hier zu sein. An der Wand hängt ein Bild auf Leinwand - ein Weihnachtsgeschenk. Mein Bett, mein Schrank und mein Schreibtisch stehen provisorisch im viel zu kleinen Raum. Ich sitze vollständig angezogen in Mantel und Schuhen auf dem Boden und schreie, heule, zerkratze mir das Gesicht. Dann gebe ich nach, wasche mein tränenvermschiertes Gesicht und folge meiner Mutter zum Auto. Die Fahrt ist kurz. Mit den Fingern kralle ich mir in die Wangen und Handrücken, fange wieder an zu heulen. - Mein erster Schultag nach drei Monaten Klinik.

"Sie ist ganz anders, seit sie wieder da ist." 
"Ja, irgendwie eingebildet."
          - M. und Ich, 1 1/2 Jahre zu vor - Reaktion auf die Rückkehr einer Freundin nach einem Klinikaufenthalt wegen familiärer Probleme.

Ich komme zu spät zur ersten Stunde. Mama bringt mich bis zum Klassenzimmer im 2. Stock, bittet meine Lehrerin hinaus. Die Lehrerin ist jung, hübsch, dünn und blond (alles was ich nie sein werde). Sie begrüßt mich liebevoll, umarmt mich sogar. Sie unterhält sich erst mit mir und meiner Mutter, dann mit mir allein. Schließlich sitze ich im Klassenzimmer zwischen all den anderen. Ich rede nicht sehr viel, meine Freunde tun es mir gleich. Ich bin hier fremd, vermisse meine Freunde aus der Klinik. Das einzig annehmbare an mir ist mein Outfit: neu gekauft.



Heute bin ich die Freundin, die anders ist, die die sich verändert hat.

Dienstag, 12. Januar 2016

Du passt hier nicht rein.

Ich stehe im Kaufhaus und komme mir Fehl am Platz vor. Meine Haare sind von Regen und Wind zersaust, meine Wangen vor Kälte gerötet. Ich bin froh, dass ich wenigstens meine teure Jeans anhabe, obwohl sich wahrscheinlich trotzdem alle Fragen was ich hier zu suchen habe. Eigentlich will ich nicht mehr so viel Geld ausgeben, also steuere ich zu den Sale-Stangen hinüber. Gleich die ersten drei sind von zwei Mitarbeiterinnen besetzt: beide hübsch und modisch gekleidet, ich dick und hässlich, in Klamotten, die mir nicht stehen. Ich senke den Blick und wandere an ihnen vorbei, zu den nächsten drei Kleiderstangen.
Ich bin etwas panisch, weil ich Angst davor habe mich lächerlich zu machen, weil ich versehentlich zwischen den Großengrößen suche oder an eine Stange mit Herrenbekleidung gerate. Ständig fühle ich mich beobachtet,wahrscheinlich fragen sich die Leute, was ich mir für bescheuerte Teile herraussuche und ob ich mir das überhaupt leisten kann.
Als ich bei den Hosen an gelange finde ich drei, die eine Größe kleiner als meine eigentliche Größe sind. Ich halte sie so, dass niemand die dick gedruckte Zahl auf der Rückseite der Jeans sieht, suche nach Gesichtern mit der Frage: "Wie will die sich da bloß rein quetschen?". Unauffällig wandere ich durch die Massen an Kleidung, bis ich eine Umkleidekabine finde.
Es dauert ewig, bis ich mit dem anprobieren beginnen kann. Minutenlang versuche ich den Vorhang komplett zu schließen und dabei so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen.
Zuerst probiere ich die Hosen, kann mir schon denken das mir zwei der drei nicht passen, also will ich mir die Enttäuschung am Schluss ersparen. Ich habe Recht. Ich bekomme beide gerade so über die Hüften, kann den Knopf aber nicht schließen.
Ich betrachte meine Beine im Spiegel. Cellulite und blaue Flecken, blass.
Die dritte Hose passt. Ich fühle mich erstaunlich dünn. Die Hose kaschiert meine enormen Hüten, mein Bauch wirkt flach. Eine Weile betrachte ich mich fasziniert im Spiegel. Plötzlich gefällt mir alles was ich anprobiere. Eine kurze Phase von Hochgefühl.
Neben meiner Kabine eine Frau: "Mir passt gar nichts, ich glaube wir müssen bei der Umstandsmode schauen." Ihre Freundin lacht. Sie unterhalten sich über Diäten. Ich lächle, meine Stimmung ist gelöst.
Ich kaufe nur die Jeans.
Habe direkt nach dem ich sie ausgezogen habe wieder das Gefühl, dass ich da niemals hinein passe.

BMI: 17.1
Hosengröße: 34

Montag, 11. Januar 2016

Melancholie

Herbst / Winter 2013

Ich bin unglaublich müde. Es dämmert, als ich von der Schule nach Hause laufe, es ist eiskalt.
Mama arbeitet bis um 22:00 Uhr. Sie hat vorgekocht, ich betrachte das Essen im Topf und stelle mir vor wie es schmeckt. Ich koche zwei Tassen Kaffee und verkrieche mich in meinem Zimmer. Hier ist es ordentlich und sicher vor anderen Menschen. Ich trinke meinen Kaffee und notiere meine heutigen Mahlzeiten in einem Notizbuch:

1 Zwieback in grünem Tee eingeweicht, dazu ein Teelöffel Leinsamen.
3 Tassen Kaffee.

Wasser habe ich heute noch nicht getrunken.
Als ich in Bad gehe absolviere ich meine üblichen Übungen. Heute: 10 Sit-Ups pro Badbesuch. Ich hole 20 Sit-Ups nach, die ich in der Schule nicht machen konnte.
Ich wünsche mir das meine Mama bald nach Hause kommt.
Im Bett rolle ich mich zusammen, spiele an meinem Handy herum und lese ein wenig. Ich kann mich kaum konzentrieren, habe weder Kraft für Hausaufgaben noch um mit meinem Hund Gassi zu gehen.
Meine Gefühle schwanken zwischen Traurigkeit und Emotionaler Leere.

Später am Abend löffle ich ein wenig des vorgekochten Essens direkt aus dem Topf. Kartoffeln, Karotten und eine dünne Käsesoße. Es schmeckt unendlich gut. Ich genieße jeden Bissen.
Als ich am nächsten Tag aufwache und meinen Bauch sehe bereue ich direkt.
So viel habe ich doch gar nicht gegessen?

Freitag, 8. Januar 2016

Vorlieben

Wir stehen in einem kleinen asiatischen Imbiss. Die Karte hängt über der Theke, der winzige Raum ist bis auf einen letzten Tisch gefüllt. Es ist 18:00 Uhr und außer ein Paar Haferflocken am Morgen habe ich noch nichts gegessen. Mein kleiner Bruder ist eingeschnappt und spricht kein Wort mehr mit mir und meiner Mutter. Ich versuche mich für ein Gericht zu entscheiden, ein Gericht, dass ich komplett und alleine essen werde - das ist neu: Seit ich mich errinern kann, hab ich mir das Essen in Restaurants und Imbissen imer mit meiner Mutter geteilt.
Ich wähle eine Gemüsepfanne mit Reis. "Nein, das ist zu wenig.", sagt meine Mutter. Ich ärgere mich und bestelle statt dessen ein Gericht mit Tofu. Mein Bruder trotz und möchte nichts.
Meine Mutter bestellt die Gemüsepfanne mit Reis, die ich eigentlich wollte.
Ich fühle mich hintergangen. Das ist nicht das erste Mal, dass ich dazu gezwungen werde mehr oder etwas anderes zu bestellen, währrend sie das exakte Gegenteil tut. Ich reiße mich zusammen und beschließe deshalb keine Szene zu machen und meine schlechte Laune einfach im Stillen auszuleben.

Schlussendlich tausche ich doch das Gericht mit meiner Mutter, weil sie feststellt, dass es mit einer Sojasauce zubereitet ist, die ihr entweder nicht schmeckt (was sie sagt) oder zu fettig ist (was sie natürlich nicht sagt). Brav esse ich auf, obwohl mein Bruder nicht isst und obwohl ich Sojasauce überhaupt nicht mag.

Donnerstag, 7. Januar 2016

2011, Oktober:

2011, Oktober:

Ich sitze vor meinem Teller, am Tisch neben der Treppe, abgeschirmt von meinen Mitpatienten, mit Blick aus dem großen Fenster.
Ich komme mir sehr jung vor, viel jünger als die Anderen, obwohl alle etwa in meinem Alter sind.
Es ist der erste Tag meiner Therapie, nach einer Woche Eingewöhnungszeit.
Das Essen wird auf einem Tablett serviert, noch verborgen unter einer Haube. Neben der Hauptmahlzeit eine Schüssel  mit Deckel und eine kleinere Schale mit dem Nachtisch. Der Nachtisch ist die einzige Mahlzeit, die ich sehen kann ohne einen Deckel zu lüften: Es ist ein kleines Rundesgebäckstück, ein Rosinenbrötchen mit Mandelsplittern und Hagelzucker.

Mein erster Essensplan beinhaltet ein Mittagessen mit:

1 Schale Suppe oder Nachtisch
1 Kleine Hauptmahlzeit
1 Glas Wasser oder Tee

Zeit: 30 min


An diesem ersten Tag schaffe ich die Hauptmahlzeit, für den Rest muss ich ein hochkalorisches Getränk trinken.
Das Rosinenbrötchen geht zurück und wird vermutlich weggeworfen.

Dienstag, 5. Januar 2016

Durschnittlich

Im November letzten Jahres habe ich 5-Jähriges Jubiläum gefeiert.
5 Jahre Krankheit.
Ein Jubiläum ohne Kuchen, ohne Sekt, ohne Restaurantbesuch, weil dass natürlich nicht geht. Eher ein Jubiläum mit schwarzem Kaffee, schweren Gliedern, Magenschmerzen.

Trozdem zähle ich jedes Jahr mit, freue mich gerade zu darauf erzählen zu können ich sei bereits seit 5 Jahren magersüchtig. Tolles Gesprächsthema. Ich bin fast schon stolz darauf so viel Ehrfahrung zu haben.
Ich habe erlebt wie es ist dünn genug zu sein um zu sterben.
Ich habe Normalgewicht ausprobiert.
Ich habe mich zu dünn gefühlt und mich zu dick gefunden.
Ich war fast zufrieden mit meinem Körper und tot unglücklich über meine Makel.

Niemand kann mir Neues über meine Krankheit erzählen.  Ich habe alle Bücher gelesen, unzählige Autobiografische Texte über Mädchen die gesund wurden und solche die sich zu Tode hungerten.
Ich kenne alle Symptome, alle Ursachen.
Ich weiß wie man gesund abnimmt, wie man sich diszipliniert herunter hungert.
Ich weiß, was ich essen sollte und wie viel.
Ich weiß, dass mein Gehirn Fett braucht und Kohlenhydrathe Energie liefern.

Ich habe alle Therapien ausprobiert - Ambulant, stationär, zu Hause, in der Gruppe - ich bin trozdem krank.
Ich weiß, dass Heilung im Kopf statt findet. Ich weiß, dass man mich nicht wegen meines Körpers verurteilt, hasst, liebt und so weiter.

Ich kenne viele Frauen mit Essstörungen, Freundinnen, Bekannte, meine Mutter.
Ich kenne mich. Ich weiß weshalb ich hungere und weshalb ich zu viel esse.
Ich weiß, dass mein Spiegel mir ein flasches Bild meines Körpers vorgaukelt.
Ich weiß, dass die Zahlen auf der Waage mich nicht definieren.

Aber was deffiniert mich dann?
Dass mein Vorname der beliebteste in meinem Geburtsjahr war?
Dass ich die Durchschnittsgröße der deutschen Frau habe?
Dass ich die Haarfarbe mit dem Großteil der Weltbevölkerung teile?

Oder dass ich zu den 1,1% der Erwachsenen in Deutschland gehöre, die unter Anorexia Nervosa leidet?
Dass ich seit 5 Jahren krank bin liegt vielleicht daran, dass das das einzige ist was mich ein kleines bisschen besonders macht. Nur ein kleines bisschen.