Montag, 25. Januar 2016

Heimat

Wir stehen draußen im Schnee. Es ist eiskalt, meine Sneaker ungeeignet, meine Zehen schmerzen so sehr, dass ich die Schuhe kaum anlassen kann. Seit über einer Stunde warten wir, meine Zähne klappern wie verrückt, wenigstens sind die Leute hier nett.
"Was machst du so für Sport?"; fragt einer und ich lache: "Gar keinen!".
"Wirklich? Wie geht das dann?", er macht eine demonstrierende Handbewegung in Richtung meiner schlotternden Beine. Ich weiß genau was er meint, trotzdem frage ich: "Was?".
Hier bin ich die dünnste unter 11 anderen Mädchen. Ich weiß das. Im Gegensatz zu meinem zu Hause sind hier alle relativ Normalgewichtig, in meiner gesamten Gruppe sind nur etwa 3 andere eher schlank.
Wir machen Fotos und auch auf diesen sehe ich, dass ich schlank bin, im Spiegel jedoch nicht.

Ich bin nicht mehr gewohnt dreimal am Tag zu essen, bei jeder Mahlzeit quillt mein Bauch auf und ich muss ihn unter einem übergroßen Schal verdecken. Endloses warten darauf, dass ich mich zu Hause in einem Ganzkörperspiegel betrachten kann, obwohl es mir hier eigentlich gefällt. Trotzdem fällt mir Essen hier leichter, weil es so wenige gibt, die weniger essen als ich. Ich fülle meinen Teller am Buffet und bin dannach tatsächlich satt. Ich nehme mir Nachtisch und nach Überwindung sogar noch einen Nachschlag.
Am Freitag komme ich nach Hause, am Samstag wiege ich nur 400 Gramm mehr als bei meiner Abfahrt. Halleluljah - Ich hatte mit 3 Kilo gerechnet.







Ich bin nicht ganz so verzweifelt wie sonst, wenn ich zunehme, weil ich weiß, dass das nur vorübergehend ist.

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