Sonntag, 26. Juni 2016

Niemals ankommen



Ich lehne mit der Schläfe gegen die Scheibe, merke schnell, dass es eine schlechte Idee ist und schaue stattdessen in meinen Schoss. Eine Nachricht erscheint auf dem Bildschirm meines, dort ruhenden, Handys und erhellt das Display. Ich versuche die Nachricht nicht zu lesen und drehe das Gerät herum. Einen Blick aus dem Fenster werfend bete ich, dass dieser verdammte Bus doch endlich schneller fahren soll, damit ich aussteigen, atmen kann. Mir ist schlecht von der ruckeligen Fahrt, mein Magen ist ganz flau. Eine Übelkeit, die mich häufig in Bussen und Autos mit eingeschalteter Klimaanlage überfällt, aber trotzdem nicht wirklich in der Fahrweise ihre Ursache findet. Insgeheim weiß ich, woher das Flaue Gefühl eigentlich kommt, nämlich irgendwo aus dem tiefsten Inneren meines Körpers, wo wahrscheinlich mein inneres Kind  liegt und langsam verkümmert. Bereits eine Haltestelle vor meiner schwebt meine Hand vor dem Halteknopf. Schon halb auf den Füßen starre ich durch die Glastür hinaus, als ob der Bus so schneller im Verkehr vorankommen würde. Als ich denke, ich könne es jetzt nicht mehr aushalten, falle ich schon nach draußen, in gellende Hitze und brennende Sonne.
Unangenehmer als die Übelkeit ist nur stehen bleiben, also laufe ich weiter in Richtung Heimat. An natürlich zirkulierender Luft verfliegt meine Reisekrankheit von selbst,  jetzt kann ich auch in Ruhe auf mein Handy schauen, die Nachricht lesen und entscheiden, dass ich sowieso nicht antworte. Jedenfalls nicht in der nächsten Stunde, damit er sieht, dass etwas los ist. Direkt, als ich das Handy wegstecke, wird die restliche Übelkeit von einer Mischung aus Wut und Trauer verdrängt. Die Hitze wird unerträglich und der fünfminütige Weg stundenlang. Am liebsten würde ich hier direkt auf dem Boden zusammenbrechen und nie wieder weiter gehen. Irgendwo will ich sterben, aber eigentlich fehlt mir auch dazu die Kraft. Fallen und auffangen lassen, aber wie, wenn da niemand zum Fangen ist?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen