Ich sitze mit überschlagenen Beinen aufrecht auf dem Sofa im Büro meiner Psychologin. Gruppentherapiestunde. Mein Dufflecoat liegt auf meinem Schoss und verdeckt meinen Bauch, von dem ich vermute, dass er sich unter dem Bund meiner High-waisted-Jeans hervorwölbt. Ich höre aufmerksam meiner Nebensitzerin zu , die von ihren letzten Wochen berichtet. Die Dritte im Bunde ist noch nicht da. Ich weiß nicht genau wo ich hin sehen soll, also schaue ich abwechselnd zu der erzählenden, meiner Psychologin und auf den Spalt im Rollladen, der ein wenig ein Blick durch das Fenster des Nebenzimmers gibt.
Meine Gedanken kreisen um meine Zeit nach der letzten Stunde. Ich kann Ereignisse zeitlich nicht mehr genau einordnen und vergesse den Großteil des erlebten. Als ich an der Reihe bin zu erzählen, schaffe ich es dennoch ein bisschen zu erzählen, kann aber nicht alles einbringen. Ich bin stolz darauf wie ruhig meine Stimme klingt, obwohl ich ungern von mir selbst spreche. "Was kannst du noch an deinem Essverhalten verbessern?", fragt sie und ich schlage das Mittagessen im Büro vor. Wir diskutieren eine Weile darüber, wieso ich es weder in der Schule noch jetzt schaffe zu essen. Ich weiß keine Antwort, sage schließlich, dass es wahrscheinlich daran liegt, dass Mittagessen nur für mich eine überflüssige Belohnung sei und dass es mir unangenehm sei, wenn mich jemand beim Essen sieht. Wir sprechen über das Mittagessen allgemein und die Tür wird nach kurzem Klopfen geöffnet. Die letzte unserer Gruppe stürzt schwer atmend herrein und unterbricht mich Mitten im Satz. Ich darf noch kurz zu ende sprechen, dann wird ihr die Aufmerksamkeit gewidmet.
Irgendwann werden wir gefragt zu wie viel Prozent wir später ohne unsere Essstörung leben wollen. Ich bin die letzte die Antworten darf und verhasple mich dauernd. "Ich glaube ich möchte sie noch behalten.", bringe ich schließlich heraus.
Dann noch als Antwort auf eine weitere Frage: "Weil ich irgendwie keinen Charakter habe."
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