Alles außer Kontrolle.
Mittwoch, 30. Dezember 2015
Montag, 28. Dezember 2015
Fragen, die mich aus der Bahn werfen
Ich stehe in der Küche. In seiner Küche. es ist Vormittag - Zeit fürs Frühstück.
"Möchtest du einen Toast?", eine Frage und meine Laune ist da hin. Ich will keinen Toast. Ich will gar nichts. Lass mich in Ruhe. Ich hasse mich. Ich schüttle nur leicht den Kopf und versuche ihn nicht anzusehen. Tue höchst interessiert, schaue aus dem Fenster, auf die Uhr, laufe herum, versuche nicht zu heulen. "Sicher?" ich nicke wieder, mache mir eine Tasse Kaffee um mich zu beschäftigen. Natürlich will ich Essen. Ich hab mich so gefreut. Ich bin widerlich. Ich verdiene das doch überhaupt nicht. Setze mich an den Tisch. Er ist zwei Scheiben Toast, Margarine, Käse, Aufschnitt, er klappt beide Scheiben auf einander. Wenn ich auch Toast gewollt hätte, hätte er nur eine Scheibe gegessen - 65 Kalorien.
Den ganzen Tag lang schaffe ich keinen Bissen mehr.
"Möchtest du einen Toast?", eine Frage und meine Laune ist da hin. Ich will keinen Toast. Ich will gar nichts. Lass mich in Ruhe. Ich hasse mich. Ich schüttle nur leicht den Kopf und versuche ihn nicht anzusehen. Tue höchst interessiert, schaue aus dem Fenster, auf die Uhr, laufe herum, versuche nicht zu heulen. "Sicher?" ich nicke wieder, mache mir eine Tasse Kaffee um mich zu beschäftigen. Natürlich will ich Essen. Ich hab mich so gefreut. Ich bin widerlich. Ich verdiene das doch überhaupt nicht. Setze mich an den Tisch. Er ist zwei Scheiben Toast, Margarine, Käse, Aufschnitt, er klappt beide Scheiben auf einander. Wenn ich auch Toast gewollt hätte, hätte er nur eine Scheibe gegessen - 65 Kalorien.
Den ganzen Tag lang schaffe ich keinen Bissen mehr.
Freitag, 25. Dezember 2015
Donnerstag, 24. Dezember 2015
Mittwoch, 23. Dezember 2015
Besinnliche Feiertage?
Panik.
Angst vor den Feiertagen.
Normalerweise stopfe ich meine Tage zu, komme erst zum Abendessen nach Hause. Oft mache ich Überstunden oder gehe nach der Arbeit noch in die Stadt. Ich habe panische Angst davor, dass alles außer Kontrolle gerät und ich mich vollstopfe, wenn ich früher Heim komme.
Ich habe Angst vor dem Mittagessen, weil das seit Monaten komplett aus meinem Tag gestrichen ist.
Ich habe Angst vor Veränderung.
Was mache ich, wenn ich plötzlich den ganzen Tag frei habe? Es fällt mir so schwer mit dem Essen aufzuhören, wenn ich einmal angefangen habe. Uneingeschränkter Zugang auf Essen wird mich verrückt machen, gefrässig und unkontrolliert.
Ich schaffe das nicht.
Angst vor den Feiertagen.
Normalerweise stopfe ich meine Tage zu, komme erst zum Abendessen nach Hause. Oft mache ich Überstunden oder gehe nach der Arbeit noch in die Stadt. Ich habe panische Angst davor, dass alles außer Kontrolle gerät und ich mich vollstopfe, wenn ich früher Heim komme.
Ich habe Angst vor dem Mittagessen, weil das seit Monaten komplett aus meinem Tag gestrichen ist.
Ich habe Angst vor Veränderung.
Was mache ich, wenn ich plötzlich den ganzen Tag frei habe? Es fällt mir so schwer mit dem Essen aufzuhören, wenn ich einmal angefangen habe. Uneingeschränkter Zugang auf Essen wird mich verrückt machen, gefrässig und unkontrolliert.
Ich schaffe das nicht.
Dienstag, 22. Dezember 2015
Nächstenleibe
Mit 14 denke ich, dass niemand mich liebt. Ich fühle mich wertlos. Ich weine viel.
Mit 16 denke ich, dass jeder mich hasst. Ich bin schlecht gelaunt, aggressiv. Selbstsüchtig.
Mit 18 merke ich, dass man mich liebt. Ich höre auf ständig alles zu hinterfragen. Ich fange an mich selbst etwas mehr zu lieben. Zum ersten Mal nach 4 Jahren vergesse ich das Essen beinahe - nicht zu essen, sondern ständig über das Essen nach zu denken. Ich halte mein Gewicht, fast ein Jahr, ständig im unteren Bereich, aber es bleibt konstant.
Ich akzeptiere meinen Körper.
Ich werde geliebt, weil ich mich besser selbst lieben kann.
Mit 19 weiß ich immer noch, dass ich geliebt werde, aber ich vergesse mich selbst zu lieben. Ich falle zurück in alte Muster. Muster in denen ich mich wohl fühle. Struktur. Ich liebe Struktur, sie gibt mir Sicherheit.
Mit 16 denke ich, dass jeder mich hasst. Ich bin schlecht gelaunt, aggressiv. Selbstsüchtig.
Mit 18 merke ich, dass man mich liebt. Ich höre auf ständig alles zu hinterfragen. Ich fange an mich selbst etwas mehr zu lieben. Zum ersten Mal nach 4 Jahren vergesse ich das Essen beinahe - nicht zu essen, sondern ständig über das Essen nach zu denken. Ich halte mein Gewicht, fast ein Jahr, ständig im unteren Bereich, aber es bleibt konstant.
Ich akzeptiere meinen Körper.
Ich werde geliebt, weil ich mich besser selbst lieben kann.
Mit 19 weiß ich immer noch, dass ich geliebt werde, aber ich vergesse mich selbst zu lieben. Ich falle zurück in alte Muster. Muster in denen ich mich wohl fühle. Struktur. Ich liebe Struktur, sie gibt mir Sicherheit.
Montag, 21. Dezember 2015
Zu gesund um krank zu sein
Ich esse ständig. Weil ich mich so einsam fühle, verlassen und irgendwie muss ich dieses Loch füllen, nicht nur metaphorisch - wörtlich.
Ich weiß genau wieso ich esse und wieso nicht. Seit Jahren mache ich Therapie, gehe brav zu allen Terminen für die Gruppentherapie und mache alle Übungen mit.
Hunderte Male reflektiere ich, wofür ich meine Krankheit brauche und was sie mir gibt.
Ich kenne alle Risiken und Opfer.
Ich habe mir tausende Male bewusst gemacht, dass sich niemand für mein Gewicht interessiert und x-Mal zugegeben, dass mein Körper nicht das einzige ist, was mich ausmacht.
Gruppentermin am Donnerstag.
Ich merke, dass meiner Therapeutin langsam die Ideen ausgehen. Sie ist entäuscht von mir. Sie schlägt vor nochmal über einen Klinikaufenthalt nach zu denken - aber wie?
Wie soll ich mit meinem Aussehen dort hin gehen? Mit einem abartig hohem Gewicht?
Ich muss erst abnehmen, bevor ich gesund werden kann. Richtig krank werden, bevor ich dick werde.
Ich weiß genau wieso ich esse und wieso nicht. Seit Jahren mache ich Therapie, gehe brav zu allen Terminen für die Gruppentherapie und mache alle Übungen mit.
Hunderte Male reflektiere ich, wofür ich meine Krankheit brauche und was sie mir gibt.
Ich kenne alle Risiken und Opfer.
Ich habe mir tausende Male bewusst gemacht, dass sich niemand für mein Gewicht interessiert und x-Mal zugegeben, dass mein Körper nicht das einzige ist, was mich ausmacht.
Gruppentermin am Donnerstag.
Ich merke, dass meiner Therapeutin langsam die Ideen ausgehen. Sie ist entäuscht von mir. Sie schlägt vor nochmal über einen Klinikaufenthalt nach zu denken - aber wie?
Wie soll ich mit meinem Aussehen dort hin gehen? Mit einem abartig hohem Gewicht?
Ich muss erst abnehmen, bevor ich gesund werden kann. Richtig krank werden, bevor ich dick werde.
Mittwoch, 16. Dezember 2015
Altersunterschiede
Er lehnt seine Stirn gegen meine. Ich versuche seinem Blick auszuweichen, aber es ist beinahe unmöglich. "Du bist 19, reiß dich zusammen!", sagt er.
Gruppentherapie: Wir sind zu dritt. Ich weiß, dass ich nicht die dickste bin, bezweifle, dass ich zu den dünneren gehöre. Bin aber sicher, dass ich die langweiligste bin.
Ich bin bereits seit drei Generationen Teil dieser Gruppe, alle früheren Mitglieder haben nach und nach ihr Essverhalten in den Griff bekommen, bis auf mich.
Ich bin die einzige, die noch vom Essen erzählt, während die anderen längst tatsächliche, lebensrelevante Themen aufgreifen.
Ich bin fast die älteste von uns dreien.
Ich bin zu alt.
Ich bin zu alt für eine Krankheit die im Durchschnittsalter von 14 ausbricht.
Ich bin zu alt um am Tisch zu sitzen und zu heulen, weil ich Angst davor habe 140 Kalorien zu mir zunehmen.
Ich bin zu alt um den Umfang meiner Schenkel zur obersten Priorität in meinem Lebens zumachen.
Zu alt für kindisches Verhalten. Alt genug um alleine Verantwortung für mich selbst zu tragen.
Ich bin unfähig.
Gruppentherapie: Wir sind zu dritt. Ich weiß, dass ich nicht die dickste bin, bezweifle, dass ich zu den dünneren gehöre. Bin aber sicher, dass ich die langweiligste bin.
Ich bin bereits seit drei Generationen Teil dieser Gruppe, alle früheren Mitglieder haben nach und nach ihr Essverhalten in den Griff bekommen, bis auf mich.
Ich bin die einzige, die noch vom Essen erzählt, während die anderen längst tatsächliche, lebensrelevante Themen aufgreifen.
Ich bin fast die älteste von uns dreien.
Ich bin zu alt.
Ich bin zu alt für eine Krankheit die im Durchschnittsalter von 14 ausbricht.
Ich bin zu alt um am Tisch zu sitzen und zu heulen, weil ich Angst davor habe 140 Kalorien zu mir zunehmen.
Ich bin zu alt um den Umfang meiner Schenkel zur obersten Priorität in meinem Lebens zumachen.
Zu alt für kindisches Verhalten. Alt genug um alleine Verantwortung für mich selbst zu tragen.
Ich bin unfähig.
Dienstag, 15. Dezember 2015
Allein auf der Welt
Diesesmal ist alles anders.
Sonst kaufe ich wie eine Verrückte ein, wenn ich abgenommen habe. Erweitere meinen Kleiderschrank um Teile in denen ich mich wohler fühle, in denen ich meinen Körper präsentieren kann.
Jetzt gefällt mir nichts mehr.
In der Umkleidekabine sehe ich meinen Körper so genau wie sonst kaum. Er sieht haargenau so aus wie vor Monaten. Habe ich wirklich abgenommen? Vielleicht ist meine Waage kaputt?
Als ich eine Hose anprobiere bin ich überzeugt davon das meine Waage ein komplett falsches Gewicht angibt. Mein Gott bin ich fett.
Ich kaufe nichts. Wandere entäuscht durch den Laden, vorbei an Menschen. Ich komme mir vor wie ein Gespenst, unsichtbar, niemand sieht mich. Ich fühle mich wie ein Kind. Bin unendlich verwirrt. Was soll ich nun glauben, so mein einziges Barometer mich belügt? Was soll ich machen, jetzt wo ich meiner Waage nicht mehr vertrauen kann?
Es fühlt sich an als wäre ich von einem engen Freund veraten worden.
Sonst kaufe ich wie eine Verrückte ein, wenn ich abgenommen habe. Erweitere meinen Kleiderschrank um Teile in denen ich mich wohler fühle, in denen ich meinen Körper präsentieren kann.
Jetzt gefällt mir nichts mehr.
In der Umkleidekabine sehe ich meinen Körper so genau wie sonst kaum. Er sieht haargenau so aus wie vor Monaten. Habe ich wirklich abgenommen? Vielleicht ist meine Waage kaputt?
Als ich eine Hose anprobiere bin ich überzeugt davon das meine Waage ein komplett falsches Gewicht angibt. Mein Gott bin ich fett.
Ich kaufe nichts. Wandere entäuscht durch den Laden, vorbei an Menschen. Ich komme mir vor wie ein Gespenst, unsichtbar, niemand sieht mich. Ich fühle mich wie ein Kind. Bin unendlich verwirrt. Was soll ich nun glauben, so mein einziges Barometer mich belügt? Was soll ich machen, jetzt wo ich meiner Waage nicht mehr vertrauen kann?
Es fühlt sich an als wäre ich von einem engen Freund veraten worden.
Montag, 14. Dezember 2015
Haut
Liebe. Ich drücke mich so fest an dich wie es geht. Du riechst nach zu Hause. Deine Haut ist ganz weich und warm als ich meine Nasenspitze an deinen Hals drücke. Ich will dir am liebsten noch näher sein, mich in dir vergraben. Ich liebe dich so sehr, dass kein anderer Gedanke meinen Kopf ausfüllen kann. Geh niemals weg.
Morgengrauen
Ich starre auf Angebote, Preise, Reduzierungen - krampfhaft. Versuche die Existenz meines Frühstücks zu ignorieren. Den Joghurt habe ich aus meinem Sichtfeld geschoben, tue so, als würden mich die Werbezeitschriften der gängigen Supermärkte brennend interessieren. Ich versuche das Essen hinaus zu zögern. Blättere immer wieder durch die Seiten und rede so viel mehr als sonst um davon Abzulenken, dass auch ich etwas essen soll. Immer wieder macht er mich auf den Joghurt aufmerksam, erst sanft, dann immer forscher. Er ist so selten wütend, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme.
Schließlich kann ich es nicht länger hinaus zögern. "Isst du deinen Joghurt auch?", frage ich unsicher, es kostet mich viel Mut."Ich warte auf dich." Er lächelt, mein Magen schmerzt.
Vorsichtig löse ich den Plastikdeckel von der Plastikverpackung, fahre mit dem Metalllöffel über die beschichtete Innenseite des Deckels um die Joghurtreste auf zusammeln, die sich dort verteilt haben. Ich lecke vorsichtig über den Löffel. Streiche über die unebene, weiße Oberfläche meines Frühstücks. Es ist nach zwölf. Ich kann das nicht. Der Löffel rutsch aus meiner kraftlosen Hand, Tränen schießen mir in die Augen. Mein Gehirn hört auf zu funktionieren.
Tränen laufen mir über die Wangen, mit schmerzendem Magen starre ich den Joghurt an. In diesem Moment finde ich ihn widerlich, hasse diesen Auslöser meiner Schwäche, obwohl ich mich gestern noch darauf gefreut habe.
Erst nach eineinhalb Stunden kann ich mich dazu überwinden ihn zu essen - als Mittagessen.
Schließlich kann ich es nicht länger hinaus zögern. "Isst du deinen Joghurt auch?", frage ich unsicher, es kostet mich viel Mut."Ich warte auf dich." Er lächelt, mein Magen schmerzt.
Vorsichtig löse ich den Plastikdeckel von der Plastikverpackung, fahre mit dem Metalllöffel über die beschichtete Innenseite des Deckels um die Joghurtreste auf zusammeln, die sich dort verteilt haben. Ich lecke vorsichtig über den Löffel. Streiche über die unebene, weiße Oberfläche meines Frühstücks. Es ist nach zwölf. Ich kann das nicht. Der Löffel rutsch aus meiner kraftlosen Hand, Tränen schießen mir in die Augen. Mein Gehirn hört auf zu funktionieren.
Tränen laufen mir über die Wangen, mit schmerzendem Magen starre ich den Joghurt an. In diesem Moment finde ich ihn widerlich, hasse diesen Auslöser meiner Schwäche, obwohl ich mich gestern noch darauf gefreut habe.
Erst nach eineinhalb Stunden kann ich mich dazu überwinden ihn zu essen - als Mittagessen.
Freitag, 11. Dezember 2015
Blicke
Als ICH DICH das erste Mal sehe bist du groß und rothaarig. Du siehst mich an, mich, zwischen all den Mädchen, den neuen Gesichtern. Ich bin 16 und sehe aus wie 14. Ich habe mich mit Mühe auf diese 5 kg Untergewicht herunter gekämpft. Das erste Mals seit einem halben Jahr bin ich nicht mehr so fett das ich mich dafür schäme, aber immer noch viel zu dick.
Drei Jahre später kannst DU dich nicht mehr daran erinnern wann du MICH das erste Mal gesehen hast.
Drei Jahre später kannst DU dich nicht mehr daran erinnern wann du MICH das erste Mal gesehen hast.
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Es war einmal...
Als ich mit 13 zum ersten mal kapiere, dass ich dick bin ist es April oder Mai und ich habe das Gefühl alles sei zu spät. Von einer Sekunde auf die andere bin ich nicht mehr das kleine dünne Mädchen. Die kleinste aus der Grundschulklasse. Die hübsche, süße Tochter meines Vaters, auf die er so stolz ist.
Ich bin mindestens 10 cm gewachsen, eine der großen in einer Klasse voller hübscher, pupertierender Mädchen. Ich fühle mich wie ein dicker, riesiger Junge.
Meine Lieblingshose rutsch ständig und erst jetzt verstehe ich, dass sie mir zu klein geworden ist und ich sie nicht richtig über meine Hüften bekomme. Knien fühlt sich unangenehm an, weil meine Oberschenkel schlicht weg zu fett sind.
Ich beschließe den ganzen Tag nichts zu essen und lasse meinen Vorsatz erst gegen 21:00 Uhr am Abend fallen.
Mit 14, im September des gleichen Jahres, sehe ich das ich ein Doppelkinn habe. Mein dickes Gesicht auf einem Foto. Hässliches Grinsen. Zu Hause heule ich. Ich wusste nicht, dass ich so aussehe. Wie kann man nicht wissen wie man aussieht, bis man sich auf einem Foto sieht?
Im gleichen Monat geht mein Vater mit mir Einkaufen. Es ist mir peinlich wie ich neben ihm aussehe. Eine hässliche, schüchterne Ente neben einem gutaussehenden, sympathischen Mann.
Mir passt keine der Hosen, die ich anprobiere, schließlich kaufen wir eine Jeans. Mein Vater ist schockiert von der Größe. Er sagt, uns großen Leuten würde es nicht stehen wenn man dick ist. Erst zu Hause bemerke ich, dass mir die Jeans viel zu groß ist.
Am nächsten Tag esse ich nichts, bis ich mich bei meiner Oma mit Pralinen vollstopfe. Meine Oma hat eine Waage. 57kg.
Im November höre ich auf zu essen.
Bis Weihnachten habe ich 3kg abgenommen. Als ich es begeistert meiner Tante erzähle reagiert sie enttäuschend. "Wieso machst du das?"
In den Karnevalsferien bin ich wieder bei meinem Vater. Ich weine auf der Zugfahrt, will nicht dort hin. Ich weine als ich ihn auf dem Bahnsteig sehe. Niemand sonst ist da, nur mein Vater, meine Mutter und ich. Er tröstet mich. Ich will nicht, dass er mich loslässt. 51 kg.
Ich bleibe die ganze Woche. Meine Mutter hat meinem Vater erzählt wie wenig ich esse. Hier esse ich. Es ist schön bei ihm zu sein. Er kümmert sich um mich. Ich bin dünn.
Wieder gehen wir shoppen, zusammen mit meinem Onkel. Drei Oberteile bekomme ich. Die Hosen, die ich anprobiere sind fast alle zu eng.
In den Osterferien glaube ich, dass ich sterbe.
Es fühlt sich an, als würde mein Herz stehen bleiben. 46 kg
Es ist mitten in der Nacht, am nächsten Tag fahren wir in den Urlaub, am Tag zu vor habe ich gar nichts gegessen.
Ich quäle mich aus dem Bett und zwinge mich einen Bissen von einem Stück Schokolade zu essen, dass ich schon seit über einem halben Jahr in meinem Zimmer liegen habe. Ein Geschenk der Frau meines Vaters.
Ich esse das ganze Stück.
Und bereue es am morgen, als mich meine Mutter zwingt ein Croissant zu essen, dass ich unter Tränen zerupfe und in kleinen Stücken auf der Zunge zergehenlasse.
45kg - ich finde eine Hose in Größe 32. Sie scheuert an den Hüftknochen, aber ich zwänge mich hinein.
Es ist wieder September. Mit der Schule machen wir einen Ausflug ins nahegelegene KZ. In einem der Original Bauten wird mir heiß, dann plötlich kalt. Ich muss mich setzen. Als ich wieder aufstehe und ein paar Schritte gehe wird mir schwarz vor Augen. Ich falle in die Arme der Mutter einer Klassenkameradin. 43 kg.
Die anderen denken, ich sei wegen der Umgebung umgekippt. Es ist mir peinlich. Man zwingt mich zu trinken und eine kleien Packung Gummibärchen zu essen. Ich hasse sie alle dafür.
Am nächsten Tag gehe ich nicht in die Schule, sondern in die Klinik.
Eine Woche später: 42 kg.
Man sagt mir, dass ich sterbe.
Aber ich sterbe nicht, endlich darf ich wieder essen.
Ich bin mindestens 10 cm gewachsen, eine der großen in einer Klasse voller hübscher, pupertierender Mädchen. Ich fühle mich wie ein dicker, riesiger Junge.
Meine Lieblingshose rutsch ständig und erst jetzt verstehe ich, dass sie mir zu klein geworden ist und ich sie nicht richtig über meine Hüften bekomme. Knien fühlt sich unangenehm an, weil meine Oberschenkel schlicht weg zu fett sind.
Ich beschließe den ganzen Tag nichts zu essen und lasse meinen Vorsatz erst gegen 21:00 Uhr am Abend fallen.
Mit 14, im September des gleichen Jahres, sehe ich das ich ein Doppelkinn habe. Mein dickes Gesicht auf einem Foto. Hässliches Grinsen. Zu Hause heule ich. Ich wusste nicht, dass ich so aussehe. Wie kann man nicht wissen wie man aussieht, bis man sich auf einem Foto sieht?
Im gleichen Monat geht mein Vater mit mir Einkaufen. Es ist mir peinlich wie ich neben ihm aussehe. Eine hässliche, schüchterne Ente neben einem gutaussehenden, sympathischen Mann.
Mir passt keine der Hosen, die ich anprobiere, schließlich kaufen wir eine Jeans. Mein Vater ist schockiert von der Größe. Er sagt, uns großen Leuten würde es nicht stehen wenn man dick ist. Erst zu Hause bemerke ich, dass mir die Jeans viel zu groß ist.
Am nächsten Tag esse ich nichts, bis ich mich bei meiner Oma mit Pralinen vollstopfe. Meine Oma hat eine Waage. 57kg.
Im November höre ich auf zu essen.
Bis Weihnachten habe ich 3kg abgenommen. Als ich es begeistert meiner Tante erzähle reagiert sie enttäuschend. "Wieso machst du das?"
In den Karnevalsferien bin ich wieder bei meinem Vater. Ich weine auf der Zugfahrt, will nicht dort hin. Ich weine als ich ihn auf dem Bahnsteig sehe. Niemand sonst ist da, nur mein Vater, meine Mutter und ich. Er tröstet mich. Ich will nicht, dass er mich loslässt. 51 kg.
Ich bleibe die ganze Woche. Meine Mutter hat meinem Vater erzählt wie wenig ich esse. Hier esse ich. Es ist schön bei ihm zu sein. Er kümmert sich um mich. Ich bin dünn.
Wieder gehen wir shoppen, zusammen mit meinem Onkel. Drei Oberteile bekomme ich. Die Hosen, die ich anprobiere sind fast alle zu eng.
In den Osterferien glaube ich, dass ich sterbe.
Es fühlt sich an, als würde mein Herz stehen bleiben. 46 kg
Es ist mitten in der Nacht, am nächsten Tag fahren wir in den Urlaub, am Tag zu vor habe ich gar nichts gegessen.
Ich quäle mich aus dem Bett und zwinge mich einen Bissen von einem Stück Schokolade zu essen, dass ich schon seit über einem halben Jahr in meinem Zimmer liegen habe. Ein Geschenk der Frau meines Vaters.
Ich esse das ganze Stück.
Und bereue es am morgen, als mich meine Mutter zwingt ein Croissant zu essen, dass ich unter Tränen zerupfe und in kleinen Stücken auf der Zunge zergehenlasse.
45kg - ich finde eine Hose in Größe 32. Sie scheuert an den Hüftknochen, aber ich zwänge mich hinein.
Es ist wieder September. Mit der Schule machen wir einen Ausflug ins nahegelegene KZ. In einem der Original Bauten wird mir heiß, dann plötlich kalt. Ich muss mich setzen. Als ich wieder aufstehe und ein paar Schritte gehe wird mir schwarz vor Augen. Ich falle in die Arme der Mutter einer Klassenkameradin. 43 kg.
Die anderen denken, ich sei wegen der Umgebung umgekippt. Es ist mir peinlich. Man zwingt mich zu trinken und eine kleien Packung Gummibärchen zu essen. Ich hasse sie alle dafür.
Am nächsten Tag gehe ich nicht in die Schule, sondern in die Klinik.
Eine Woche später: 42 kg.
Man sagt mir, dass ich sterbe.
Aber ich sterbe nicht, endlich darf ich wieder essen.
Füttere meine Seele nicht meinen Körper
Der Anfang ist immer am schwersten.Ich kann nicht gut schreiben. In meinem Kopf bilden Worte und Gedanken ein logisches Konstrukt. Gefühle gehen über in Buchstaben und alles klingt perfekt, logisch - bis ich es ausspreche oder aufschreibe.
Ich wollte schon immer Tagebuch schreiben, deshalb liegen Unmengen an Blanko-Büchern in meinem Zimmer herum. Vergraben in Schränken, wenige Seiten beschrieben, weil ich keine Worte finde um meine Gedanken zu beschreiben.
Vielleicht versteht deshalb niemand wieso ich krank bin.
Außer du vielleicht?
Mein Körper gehört nicht mir.
Wenn ich in den Spiegel sehe, bin ich verwundert über das Gesicht, dass mir entgegen blickt. So anders sieht mein Innerstes aus - meine Seele.
Bin das ich? Ist das mein Körper und mein Gesicht?
Manchmal sehe ich so lange nicht in den Spiegel, dass ich, wenn ich es dann doch tue, wahnsinnig irritiert von meinem Spiegelbild bin, so anders sehe ich in meinen Tagträumen aus.
Enttäuscht bin ich von meinem Gesicht, von dem man alles ablesen kann was ich denke.
Ich wollte schon immer Tagebuch schreiben, deshalb liegen Unmengen an Blanko-Büchern in meinem Zimmer herum. Vergraben in Schränken, wenige Seiten beschrieben, weil ich keine Worte finde um meine Gedanken zu beschreiben.
Vielleicht versteht deshalb niemand wieso ich krank bin.
Außer du vielleicht?
Mein Körper gehört nicht mir.
Wenn ich in den Spiegel sehe, bin ich verwundert über das Gesicht, dass mir entgegen blickt. So anders sieht mein Innerstes aus - meine Seele.
Bin das ich? Ist das mein Körper und mein Gesicht?
Manchmal sehe ich so lange nicht in den Spiegel, dass ich, wenn ich es dann doch tue, wahnsinnig irritiert von meinem Spiegelbild bin, so anders sehe ich in meinen Tagträumen aus.
Enttäuscht bin ich von meinem Gesicht, von dem man alles ablesen kann was ich denke.
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