Es ist warm und sonnig, als ich auf die Automatische Tür der städtischen Bücherei zu laufe. Aus den Augenwinkeln erkenne ich ein Mädchen, ich drehe mich kurz um, sehe ihre dünnen Ärmchen, dunkle Haare, das Gefühl sie zu kennen. Denke nicht weiter darüber nach. Ich stöbere zwischen den Regalen und Büchern. Feine Härchen auf meiner Haut stellen sich in der kühlen Luft der Klimaanlage auf. Ich fühle mich sicher und geborgen. Das hier ist mein Zufluchtsort. Es gibt so viele Ecken und Winkel in der Bücherei, abgeschirmte Ecken und alles ist so wunderbar ruhig.
Ich mache einen Abstecher in die Psychologieabteilung. Die Bücher zum Thema Essstörung stehen im dritten Regalfach von unten. Eine kleine Auswahl und ich habe schon alle Ratgeber gelesen. Da wieder das Mädchen. Ich kann sie durch meine Regalreihe sehen, sie steht direkt gegenüber. Schmerzhaft wird mir bewusst, dass sie sich Diätrezepte und Ernährungratgeber ansieht. Irgendwie erkenne ich mich in ihr wieder und gleichzeitig: Alena? Ich bohre ihr meinen Blick in den Rücken. Kann das sein? Eigentlich sollte sie jetzt nicht mehr so dünn sein, sie ist doch erst entlassen worden? Schließlich entscheide ich mich dagegen sie anzusprechen, weil ich mir nicht wirklich sicher bin ob sie das tatsächlich ist.
Ich gehe wieder nach draußen, wo das warme Wetter drückend und schwül geworden ist.
Später erfahre ich, dass Alena schon vor drei Wochen gestorben ist.
Krass.
AntwortenLöschenoh gott :( wie unglaublich traurig...
AntwortenLöschendanke für deinen kommentare du liebe <3